Freitag, 26. August 2011

vietnam food report 2011





ich glaubte immer, mit einem heimatbesuch alle zwei jahre kenne ich dieses freundliche kleine land in und auswendig. doch dieses jahr wurde ich eines besseren belehrt. freund und reisegefährte jan und ich traten eine dreiwöchige tour durch südvietnam, kambodscha und zentralvietnam an.

es ist nicht meine erste reise zurück zu meinen wurzeln, es wird auch nicht die letzte sein, jedoch wird sie für mich die aufregendste und spektakulärste von allen bleiben. diesem umstand habe ich in erster linie jan zu verdanken, der zum ersten mal nach südostasien reist. seine taufrischen sinne und entdeckungsfreude haben mich gefordert, inspiriert und mitgerissen.

dieses stück erde erschien mir in einem neuen licht, alles fühlt sich anders an, riecht und schmeckt auf einmal spannender als in der erinnerung. wir stürzten uns wie begeisterte kinder auf diesen gigantischen abenteuerspielplatz, der einem so ziemlich alles bot, was herz und magen begehrten. wir begaben uns auf tagelange bootfahrten durch dichtbewachsene mangrovenwälder, wanderungen auf jahrhunderte alten steinernden khmerpfaden, motorradfahrten in der sengend heißen sonne durch bergpässe und atemberaubende küstenlandschaften, ließen uns von dem hektisch-lauten motorenmeer der metropole mittreiben und betrachteten ehrfürchtig altehrwürdige bauwerke imperialistischer vergangenheit. und fast alles hielten wir fotografisch fest, wie man hier und in jans abwechslungreichen flickr-album bestaunen kann, oder auch in meinem.









dazwischen: probieren, probieren, probieren. alles was durch die monsunzeit explodierende flora und fauna anbot. frische früchte aus den wettergegerbten händen schwimmender händler auf dem mekong, gegrillte wilde wachteln und karamelisierte frösche in bierseligen afterwork-kaschemmen, kleine nudelschüsseln mit köstlichen aber schwer definierbaren toppings an dämmerigen marktständen, zappelndfrisches meeresgetier an der küste, moderne kreative restaurants und legendäre geheimtips redseliger cyclofahrer.



und so kommt bissen für bissen, mahl für mahl der stoff für meinen food report zusammen und die inspiration für weitere eigenkreationen. noch einmal verneige ich mich ehrfürchtig vor der vielfalt, die die kulinarik meines heimatlandes uns geboten hat, und hoffe mit meinen folgenden reports ein kleines stück vietnam den lesern näher zu bringen.

Freitag, 18. März 2011

bavette nero di seppia mit garnelen und pakchoi.



für ein schnelles abendessen musste ein teller pasta her, ich hatte noch große black tiger im tiefkühlfach und einiges an restgemüse vom vortag.

die frischen schwarzen bavette haben einen unverwechlbaren meeresgeschmack und sieht zudem ziemlich gut aus. mit frischer tinte kann man dieses aroma noch intensivieren, sollte aber das topping nicht optisch ersäufen. ich ließ die tinte aus, dachte dabei aber wehmütig daran, den frischen lachsrogen von fischhändler nicht mitgekauft zu haben. das hätte auf der schwarzen pasta mit ein paar zitronenzesten exellent geschmeckt, ein tolles rezept aus sizilien.

ich habe zwei asiatische zutaten hineingedichtet, den süßlich-scharfen pakchoi und frischen koriander. es passte gut zu den garnelen. die sauce bestand aus dem bratöl der garnelen, mit zwei zehen knoblauch zart geröstet, einem guten schluck weißwein abgelöscht. geviertelte romanatomaten und der empfindliche pakchoi wurden nur schnell geschwenkt und direkt herausgenommen. die nudeln sehr al dente im gut gesalzenen wasser kochen, abtropfen und eben falls in der pfanne schwenken, dass sie die sauce gut aufnehmen. einen halben bund koriander häckseln, und mit zitronensaft und ein paar tropfen limonenöl das pastaerlebnis vervollständigen.

Dienstag, 15. März 2011

taro.


taroknollen sind die kartoffeln meiner kindheit. sie haben geschält dieses skurrile aussehen, was ihnen den namen "schädelknollen" beschert. meine großmutter hat diese weichgekochten kleinen knollen in rohrzucker gewendet und uns kinder damit vollgestopft, weil sie so stärkehaltig und nahrhaft sind. trotz des guten geschmacks waren kleine erstickungsanfälle an der tagesordnung, die erinnerung bringt mich bis heute noch zum schmunzeln.

einige sorten haben eine sattviolette farbe, sie sind hier schwer zu kriegen und werden in süßspeisen und eis verwendet. frisches taroeis ist das lieblingsdessert meiner kleinen cousinen. die cremefarbenen schmecken weniger süß und intensiv, eignen sich aber wunderbar für pürees (taro-sellerie-koriander, taro-safran) oder als suppeneinlage. auch in deftigen fondues sind sie sehr beliebt, da taro den geschmack der brühe viel stärker aufnimmt als kartoffeln oder süßkartoffeln. richtig weichgekocht zergehen sie auf der zunge.

hier hatte ich für ein kleines mittagsüppchen vietnamesisch gepökelte spanferkelrippchen, in einer heißen brühe, mit taroknollen und schnittlauch.

Donnerstag, 3. März 2011

paris report: patisseries.

es gibt patissiers in paris die man seit jahren bewundernd aus der ferne betrachtet und davon träumt, all ihre köstlichkeiten einmal vor ort zu kosten. all die farbenfrohen macarons, eclairs, millefeuilles, tartes, bonbons, die geschmack ein paar wolkenebenen über dem gewöhnlichen rest versprechen.

haute patissérie mit aufregenden formen und namen wie ispahan, plénitude individuel, religieuse rose, le marie antoinette und infinement café schwirren mir im kopf als ich nun nach drei jahren wieder in paris bin.

ich nahm mir vor, jeden tag mindestens einmal einen dieser kleinen zuckertempel aufzusuchen, um mich dann mit meiner beute samt freund als mitgenießer in den jardin du luxembourg zuzückzuziehen, um in dieser frühlingshaften atmosphäre unseren patisserie-moment zu zelebrieren.

ingesamt vernaschten wir in vier tagen eine menge törtchen und über 15 sorten macarons von einigen der renommiertesten patissiers und nun stelle ich hier unsere highlights vor:


ladureé




millefeuille praliné
allein der anblick machte etwas angst, drei lagen hauchfeinen blätterteig, eine grobkörnige krokantzuckerkruste, dicke karamel-buttercreme und eine nougat-ganache drohten den direkten zuckerschock an. aber schon der erste happen überraschte uns mit einer perfekt ausbalancierten süße, die nussig, sahnigen noten wurden nicht wie befürchtet erschlagen, sowie ein hauch von karamelllikör, gerade eben genug für einen kleinen kick. die textur ist wie bei millefeuilles erwartet, hinreißend cremig und federleicht knusprig. für alle, die auf klassische torten stehen, kann ich dieses feudale meisterstück nur empfehlen.




eclair café
es gibt überall in jeder bäckerei und cafes eclairs, aber das kleine eclair von laduree ist tatsächlich seinen stolzen preis von vier euros wert. die füllung, besteht nicht wie üblich aus klebrig muffigem pudding sondern einer mokka buttercreme und einem kern aus dunkler, sehr aromatischer espresso-schokladenganache. der brandteig ist dünn und sehr frisch im geschmack. einfach köstlich zu jedem frühstücksabschluss.



macarons

die macarons von ladureé schmecken am besten von allen, vielleicht gab es bei einigen anderen noch ausgefallenere sorten, aber sie machten freude durch die klarheit der geschmacksnuancen, die schönen leuchtenden farben ohne den ganzen glitzer-perlen-blattgold-chichi wie bei teilweise bei fauchon oder pierre herme. besonders orange pétale, pistazie und cassis haben es mir angetan. laduree hat außerdem eindeutig beim interieur und der verpackung gewonnen. die eleganten damen führen auf den strassen von st. germain de prés ihre zartgrünen ladureé taschen so selbstverständlich herum wie ihre chanel bag.


pierre hermé




ispahan
eigentlich brauche ich nicht noch ein weiteres loblied auf diese fabelhafte patisserie-touristenattraktion zu schreiben, denn die ganze welt tut es bereits. das kitschig-pompöse aussehen macht den puristen in mir nicht sehr an, doch die mischung aus luxuriösen macarons mit rosenextrakt, rosencrème, himbeerreduktion, litschis und frischen himbeeren ist einfach unschlagbar. es gibt auch mehrere versionen von marletti und victor&hugo ohne litschi und laduree mit kandiertem flieder (la marie antoinette), aber nichts ist besser als das original ispahan von pierre herme. für mich hat sich das warten in einer menge von geifernden touris und natürlich auch townies jedenfalls gelohnt.



plenitude individuel
für dieses törtchen gibt es spontan nur drei worte: schokolade, schokolade, schokolade. das ist kein sanfter genuss sondern brachiale gewalt. ein schokomacaron, getoppt von einer kuppel aus bitterer mousse au chocolat und schokoladenganache mit ziemlich großen fleur de sel flocken, halbflüssiger schokoladenfondant, mehrere sorten schokoladen splitter mit krokant und kakaostücken verzieren das ganze. der geschmack is schon fast zuviel, als man ertragen kann. selbst für echte schokoladenliebhaber dürfte diese stück torte den monatsbedarf decken.

sadaharu aoki


ein vorwort: es gibt patissiers und es gibt sadaharu aoki. dieser mann ist überirdisch. im himmel der besten patissiers der welt ist er noch einmal durch die decke geschossen und gewinnt regelmässig alle preise, so simpel und perfekt wie seine werke kriegt es niemand hin. durch alles was ich bei ihm probiert habe zieht sich ein schleier, den ich schwer definieren kann, aber eindeutig nur ihm zuschreibe. vielleicht ist es seine erdige, asiatische gelassenheit, und die japanische ästhetik gepaart mit eleganter bescheidenheit, die man sehen und schmecken kann.



zen (rechts)
mein favorit auf dieser reise: zartes sesambiscuit, eine dicke schwarze sesamcrème mit einer spur cognac, die heißgeliebte mâchacreme und buttercreme ummantelt von geröstetem sesam. wow. mit zen hat allenfalls das aussehen nur was zu tun, aber der inhalt bringt mich auch jetzt beim schreiben in wohlige aufregung. ziemlich gewagt mit der cognacnote, da ich eigentlich nicht so der große fan von alkoholisiertem süßigkeiten bin, aber hier hebt sie den geschmack des schwarzen sesams um ein vielfaches, die zartbittere mâchacreme und die sahnige buttercreme harmonisieren perfekt mit dem erdig-würzigen geschmack der unteren lagen. wenn es zwei kategorien gäbe wie "SOLL man" und "man MUSS es probiert haben" fällt zen auf jeden fall unter zweiteres.

bamboo (links)
diese torte wird eine legende, soviel ist sicher. das design ist das schönste was ich jemals an einem stück patisserie gesehen habe. ein hauch von glasur gepinselt, puderzucker und matcha-pulver soft dahingestreut wie eine vom späten märzschnee überraschte waldwiese. der inhalt ist genauso simpel: joconde biscuit, mâchacreme, grüner tee-buttercreme, schokoladenganache und eine spur genialität. aoki hat genau den richtigen moment abgepasst und das ganze etwas unterzuckert, um die natürlichen nuancen noch mehr hervorzuheben. das potenzial der schokolade ist nicht voll ausgereizt, dafür liegt sie im perfekten einklang mit den anderen materialien. eine leicht ungleiche verteilung lässt jeden bissen variieren im geschmack. vielleicht ist die tatsache, das ein japanischer meister grünen tee als kopfnote in seinem werk verwendet keine neuigkeit, aber die jahrelange erfahrung und das sensible können aokis machen aus einer gewöhnlichen trendzutat und einer klischeesüßigkeit ein unvergessliches stück patisserie-geschichte.





kleine anmerkung: fast alle guten läden liegen unweit vom jardin luxembourg, im herzen von st. germain de pres. ein bischen zu posh und zu arrogant wirkt das viertel, aber für die köstlichkeiten lohnt sich ein kleiner ausflug dorthin allemal. vielleicht kann ich mir noch kein haute-couture kleid leisten, aber der luxus der kleinen designer törtchen fühlt sich mindestens so gut an.

Freitag, 11. Februar 2011

das perfekte krachen.



der krustenbraten hat schon manchen gast überzeugt, der von kindesbeinen an nur hautloses fleisch auf den teller bekam, und beim ersten mal den fetten schweinebauch mit der dicken schwarte pikiert ablehnt.

es lohnt sich trotzdem zu probieren, denn ein stück perfekter schweinebauch (drei-fäden-fleisch, wie wir es nennen) hat gerade so viel fett im zwischenraum, dass er wärend des grillens/bratens komplett abfließt und mürbes, zartes fleisch zurücklässt. die kruste war lange eine herausforderung für mich, ich wollte sie so appetitlich kross und dick haben, wie ich sie aus den markständen bei uns kenne, aber keine chemie anwenden. ich experimentierte viel herum, mit dem einritzen der haut, einreiben mit honig, dem vorkochen, der brattemperatur, trotzdem blieb die haut hart und etwas zäh. der asiatische krustenbraten wird im allemeinen auch eher gegrillt als im ofen gebacken und ohne ständiges begiessen mit dem eigenen saft wie bei seiner europäschen verwandschaft.

dank der raffinierten ideen malaysischer hausfrauen in californien (wohin einen die internet recherche so treibt) habe ich nun endlich das rezept für die perfekte kruste:

1,5 kg dünn mit fett durchwachsener schweinebauch, ohne knochen

marinade:
3 zehen gehackter knoblauch
4 el dunkle sojasosse
2 el fischsauce
3 tl zuckercouleur
2 tl "roast red pork" gewürzpulver, altenativ normales 5-gewürz-pulver
1 el honig

krustentopping:
5 el salz
2 el essigkonzentrat

den schweinebauch in der mitte mit jeweils drei schaschlikstäbchen kreuzweise durchbohren und die ecken leicht einschneiden, damit er sich nicht verbiegt. in die fleischseite 0,5 cm tief rauten einschneiden.
für das ritzen der hautseite nehme ich ein skalpell und fahre vorsichtig über haut, da ich sie nicht bis aufs fleisch durchschneiden will. ich ritze ein ziemlich feines netz, damit die salzkruste später gleichmässig wirkt.

das fleisch mit der hautseite 3 minuten in kochendes salzwasser geben. anschließend mit küchentüchern (richtig!) trockenreiben. besonders die hautseite muss ganz trocken sein. dann in eine passende form die zutaten für die marinade zusammen mischen, und den braten mit der haut nach oben hineinlegen, so dass er ungefähr einen cm in marinade steht. salz und essigkonzentrat zu einer dicken paste verühren und mit einem pinsel grosszügig über die haut streichen, sie soll komplett bedeckt sein, wenn die paste nicht reicht, noch mal im gleichen verhältnis mehr salzpaste anrühren. anschliessend lasse ich den braten ungefähr 1 tag im kühlschrank ruhen.

vor dem braten kratze ich die salzkruste komplett ab, hebe sie in einem schüsselchen auf, tupfe die haut nochmals sorgfältig trocken (manchmal benutze ich auch einen föhn, wenn es schnell gehen muss). dann kommt der krustenbraten für ca. 30 minuten bei 200 °C in den ofen, anschließend nochmal 10 minuten bei gleicher temperatur mit umluft. zwischendurch achte ich darauf, dass keine fettpfützen sich auf der haut sammeln, und nach fünfzehn minuten streiche ich mit einem pinsel dünn etwas von der mit essig verdünnten salzpaste über die haut.

die prozedur ist etwas mühsam und zeitaufwändig, man wird aber belohnt mit einem saftigen, zarten bratenstück, gekrönt von einer fast 1 cm dicken krossen haut, die für mich das highlight des essens ist.

ich liebe den braten in kombination mit grünem kokosnussklebereis und eigelegtem essig-kohlrabi. und an festtagen, wie z.b. unserem tet-fest in dieser woche darf er nicht fehlen.

Donnerstag, 26. August 2010

umami. eine liebeserklärung an den fünften geschmack.

glutamat spaltet die gemüter. es wird von denen verteufelt, die ihm nervenschädigende eigenschaften zuschreiben. nur wenigen ist bewusst, dass unser körper selbst lebenswichtiges glutamat produziert und es auch ganz natürlich in vielen lebensmitteln vorkommt, die eben dadurch so wohlschmeckend und unverzichtbar für uns sind. kann es zu überdosierungen kommen wenn man auf hohe mengen künstlichen glutamat verzichtet, aber dafür aus den vollen quellen des natürlichen glutamats schöpft?

hannah und ich beschlossen also ein fest zu ehren des fünften geschmacks zu veranstalten und fünf gäste, die verschiedener kaum sein können, zu verwöhnen mit einem dinner, das umami in seiner reinsten form verspricht.

um unser umami- fest zu planen machten wir uns im internet auf die suche nach den größten glutamat-bomben der welt. es wurde verglichen, lebhaft diskutiert, mutig kombiniert und fabuliert. so entstand ein menü mit der kulinarischen fusion zweier welten:

konbu-venusmuschel-suppe

mit tofu, enokipilzen, frühlingslauch
und frittiertem stint
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vietnamesischer gedämpfter reispudding
mit gerösteten crevetten
und schnittlauch
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amuse gueule von serranoschinken
mit ziegenfrischkäse und himbeeren

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umami rindsburger mit tomaten, parmesan,
sardellen
und frittiertem salbei
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shïtakepilze gedämpft in teriyaki

mit forellenfilets und gepökeltem schweinebauch

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limonen-thymiansorbet

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blauschimmel-pralinen

mit karamelisierten walnüssen
und birnen-ingwer chutney
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rote curryküsse
mit schlagrahm
und mango

dampfende schälchen mit genmaicha gingen um. der sanfte grüne tee bot die perfekte einleitung zur kombu-suppe. die venusmuscheln öffneten sich wie kleine orchideen in der heißen dashi- brühe, die drei stunden mit den kombualgen vor sich hin simmerte. der geschmack weckte die erinnerung an eine salzige meeresbrise und war doch angenehm zurückhaltend, obwohl wir mit dem kombu nicht gegeizt hatten. wir freuten uns über den zartkörnigen rogen, der reichlich in den kross frittierten salzigen stints vorhanden war.



ohne atempause ging es weiter mit einem winzigem schälchen banh beo, einer zentralvietnamesischen spezialität, die zuvor in eigens dafür angefertigten stahlförmchen gedämpft wurde. in der bernsteinfarbenen, feurig scharfen fischsauce schwammen hauchdünne reisteigplätzchen mit der reinheit von lotusblütenblättern, gekrönt von einer wolke gerösteten crevetten und hauchfeinem schnittlauch.



wir servierten unseren gästen den umami-burger, die ultimative verbindung der glutamathaltigsten ingredienzen: rindfleisch, tomaten und parmesan. wir bissen uns durch knusprig getoastetes, selbstgebackenes brot, aromatische salbeiblätter, black-prince tomaten, schmelzige selbstgemachte mayonaise mit einem hauch sesamöl, geschmorte kirschtomaten mit fruchtiger süße und dem gereiften parmesan, um endlich auf den saftigen burger zu stossen, medium rare gegrillt. das geheimnis, das ihn so intensiv fleischig und unwiderstehlich machte, war die zugabe von zehn gesalzenen sardellen und einem guten schuss fischsauce.



nach dem amuse gueule und dem erfrischendem zitronensorbet mit der zugabe von thymian und kaffirlimettenblättern folgte eine komposition aus butterzartem sousvide gegartem, und anschließend 48 stunden in fischsauce und zucker gepökeltem schweinefleisch, gedämpfte forellenfilets, in soyasauce geschmorten shiitakepilzen und knackigen frühlingzwiebeln. die zarten saftigen texturen von fisch, fleisch und pilzen gingen unter dem schleier der salzigsüßen teriyaki-reduktion eine wundersame fusion ein.







das doppelte dessert wurde eingeleitet durch die kombination zweier blauschimmelkäse, dem schmelzig-cremigen saint augur und würzig-scharfen roquefort, umarmt von zwei karamellisierten walnusshälften auf einem bett aus birnen-ingwer-chutney. am tisch wurde gescherzt, dass dieses gericht doch an die achtziger jahre cocktailpartys erinnern würden. dank des ingweraromas bekam das klassische bouquet der geschmäcker eine frische note.



die rosa curry-küsse wurden mit einem von mir selbstgemischten roten dessertcurry aus kurkuma, koriandersamen, kumin, anatosamen, ingwer, chilipulver und bockshornklee gewürzt. beim reinbeißen in die pavlova baisers zerbrach knackend die eierschalenartige schale und der kuss entfaltete seine doch gar nicht so unschuldige wirkung. innen cremig, durchströmten unterschiedlichste gewürze den mund. die betörende süße der reifen pakistanischen mangos und die pfeffrige note der rosa beeren machten das dessert zum abschluss dieses abends zu einem sinnlichen abschiedkuss.



fazit der gäste zum schluss: es war ein wahres geschmacksfest, alle sind mit neuen eindrücken und geschmacksüberraschungen bombardiert worden, und trotzdem fühlt sich niemand voll oder von der allgemeinhin bekannten glutamatträgheit befallen. immerhin hatte jeder gast insgesamt 10000 mg pures glutamat zu sich genommen.

glutamat ist zwar nicht schädlich - sowohl künstlich als auch natürlich, trotzdem: wer braucht schon das abendessen mit billgen geschmacksboostern wie maggifix oder vegeta nachzuwürzen, wo es die natur doch reichlich für uns vorgesehen hat?

bei interesse schreibt mich unter input(at)bureaublanc.de an, ich schicke euch gerne eine pdf mit allen rezepten und dem bericht vom abend.

Samstag, 10. Juli 2010

zeit für pomelos.



ich liebe die herbe süße der pomelos, diese großen zitrusrüchte wecken jedes mal kindheitserinnerungen. an heißen nachmittagen wurden sie in großen mengen verspeist, auch noch jung und sauer mit einer salz/chilipulvermischung. die geöffneten früchte verströmen einen frischen duft, die blüten sind so betörend, dass wir sie zum aromatisieren von süßspeisen benutzen oder sie uns ins haar steckten.

den frisch gepressten saft mit dünn gebrühtem grünem tee aufgiessen und dazu viel eis ist ein unvergleichlich erfrischendes sommergetränk.

und hier ein zarter sommersalat aus jungen pomelos, garnelen, horapablättern, fischsauce, chilies und gerösteten erdnüssen.